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(Mittelmeer)Krankheiten

Giardien

„Unser Hund verträgt das Futter nicht. Er hat häufig Durchfall und stinkende Blähungen!“ So oder so ähnlich schildern viele Hundebesitzer ihrem Tierarzt die Leidensgeschichte ihres Hundes. Ein hartnäckiger Durchfall, eventuell verbunden mit Erbrechen, lassen den Tierarzt in den meisten Fällen jedoch nicht an eine Futtermittelunverträglichkeit denken, sondern häufig an die Durchfall verursachende Darmparasiten, die so genannten Giardien.

Giardien sind winzig kleine einzellige Parasiten, die im Dünndarm zahlreicher Tierarten leben. Hat sich ein Lebewesen mit Giardien infiziert, spricht man von einer Giardiose. Bei starkem Befall, wie er häufig bei Welpen und Junghunden sowie bei geschwächten Tieren vorkommt, verursachen sie einen oft monatelang anhaltenden Durchfall. Dieser reagiert in der Regel kaum oder gar nicht auf die üblichen Tierarzneimittel, Diäten und Futterumstellungen. Der Durchfall kann sich zwischenzeitlich für einige Tage bessern, danach kommt es aber wieder zu einem Rückfall. Die Kotbeschaffenheit variiert von wässrig mit Schleim- und/oder Blutbeimengungen bis pastenartig. Oft ist der Kot hell, übel riechend und wird von stinkenden Blähungen begleitet. Auch Erbrechen, Abmagerung sowie Wachstums- und Entwicklungsstörungen können durch die chronische Dünndarmentzündung und die damit verbundene schlechte Nahrungsverwertung auftreten. Auffällig ist, dass der Appetit der erkrankten Tiere fast immer erhalten bleibt.

Insbesondere bei kohlenhydratreichem Futter verstärken sich jedoch die Durchfälle häufig. Dieser Umstand lässt Hundehalter schnell an eine Futtermittelunverträglichkeit denken, woraufhin sie mehrmals ohne andauernden Erfolg das Futter wechseln, bevor endlich tierärztlicher Rat in Anspruch genommen wird.

Häufig unerkannt

Bei den meisten erwachsenen Hunden, die ein intaktes Immunsystem haben, verschwinden die Giardien nach kurzer Zeit wieder von selbst. Die Hunde können allerdings unerkannt Parasiten im Kot ausscheiden und somit eine Ansteckungsquelle für andere darstellen. In Deutschland ist durchschnittlich jeder vierte Hund mit den Darmparasiten infiziert. Besonders anfällig zeigen sich Welpen und Junghunde: Hier sollen 70 Prozent der Tiere betroffen sein. Auch die Haltungsform hat einen Einfluss auf die Befallsraten. Werden viele Hunde gemeinsam gehalten, wie zum Beispiel in Zwingeranlagen oder Tierheimen, steigt das Ansteckungsrisiko, und beim Einschleppen einer Infektion kann sich praktisch jedes Tier infizieren.


Massenvermehrung im Darm

Die Giardien haften mit Hilfe einer Art „Saugnapf“ an der Dünndarmschleimhaut und vermehren sich durch Zweiteilung. Die Vermehrung ist rasant, innerhalb von fünf Stunden kann sich die Zahl der Giardien verdoppeln!

Vor der Ausscheidung mit dem Kot entwickeln sich die Parasiten in ein widerstandsfähiges Dauerstadium (Zyste), indem sich der Parasit abkugelt und mit einer Hülle umgibt. Durch die Zystenbildung ist der Parasit in der Lage, mehrere Wochen in der Umwelt infektiös zu bleiben. Bei kühlem und feuchtem Umgebungsklima kann das sogar einige Monate sein. So sind die Zysten eine dauerhafte Infektionsquelle, selbst für ihren Wirt.
 

Infektionsquelle Umwelt

Hunde infizieren sich durch Abschlucken von Zysten aus der Umgebung, in unsauberen Ausläufen und Zwingern, auf Hundewiesen, in Pfützen und stehenden Gewässern, die mit Hunde- und Katzenkot verunreinigt sind. Die Infektionsgefahr ist sehr gross, da ein infizierter Hund etwa 100.000 Zysten pro Gramm Kot ausscheidet und bereits 10 Zysten für eine Infektion ausreichend sind. Bereits 4-14 Tage nach der Infektion scheiden die infizierten Hunde selber die Giardienzysten mit dem Kot aus. Die Ausscheidung erfolgt über einen Zeitraum von 4-5 Wochen, verlängert sich aber entsprechend, wenn das Tier immer wieder Zysten aus der Umwelt aufnimmt.
 

Diagnose stellen

Der Giardiennachweis erfolgt mit speziellen Untersuchungsmethoden im Kot. Der Erreger lässt sich sowohl unter dem Mikroskop als auch im so genannten Antigentest erkennen. Da die Erreger aber nicht regelmässig mit dem Kot ausgeschieden werden, geben einzelne negative Untersuchungsergebnisse keine absolute Sicherheit. Die Untersuchung sollten daher bei Verdacht wiederholt werden.
 

Therapie: Arzneimittel + Hygiene

Der Hund selbst wird vom Tierarzt mit Wirkstoffen wie Fenbendazol oder Metronidazol behandelt. Um aber zu vermeiden, dass sich die Tiere nicht sofort wieder mit Giardien infizieren, muss die Behandlung mit Hygienemassnamen begleitet werden. Da die Zysten in kühler, feuchter Umgebung besonders lange infektiös bleiben, ist es ratsam, feuchte Areale in Zwinger und Auslauf trocken zu legen. Befallene Flächen sollten nach Möglichkeit mit dem Dampfstrahlgerät heiss gereinigt werden und erst gründlich abtrocknen, bevor die Hunde die Flächen wieder betreten dürfen


Die Giardieninfektion ist eine Zoonose

Auch der Mensch ist für Giardien empfänglich: In Mitteleuropa sollen bis zu 10 Prozent der Erwachsenen und 25 Prozent der Kinder befallen sein. Aus diesem Grund werden Giardien von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) auch als Zoonose-Erreger, die also vom Tier auf den Mensch übertragbar sind, eingestuft. Besonders bei Kindern kann eine Infektion zu heftigen Symptomen führen. Der Mensch infiziert sich über Schmutz- und Schmierinfektionen, verunreinigte Rohkost (Salat, Gemüse) oder verunreinigtes Trinkwasser mit Giardienzysten. Ebenso sind direkte Infektionen aus dem Stuhl infizierter Personen oder auch aus Hundekot möglich. Inwiefern der Hund eine bedeutende Ansteckungsquelle für den Menschen darstellt, ist noch nicht ganz geklärt. Die Möglichkeit einer Übertragung besteht ganz offensichtlich, jedoch scheint die Ansteckung von Mensch zu Mensch und von Hund zu Hund weit häufiger aufzutreten. Auch Fliegen können die Parasiten auf die Nahrung von Mensch und Tier übertragen.


Fazit für die Praxis

Anhaltende Durchfälle bei Hunden sollten immer vom Tierarzt untersucht werden. Werden Giardien bei der Untersuchung gefunden, kann eine Behandlung nur mit begleitenden Hygienemassnahmen erfolgreich sein. Bei der Giardiose handelt es sich um eine auf den Menschen übertragbare Infektionskrankheit. Bedenken Sie daher, dass gerade kleine Kinder durch den häufigen Kontakt mit Welpen besonders gefährdet sind.
Autor: Dr. Manfred Stein, veröffentlicht durch Mars Inc.

 
Mittelmeerkrankheiten


Bei der Adoption eines Hundes aus dem Süden sollten Sie bedenken, dass es gerade in südlichen Ländern öfters Krankheiten gibt, die in der Schweiz eher selten sind. So sind unter anderem Krankheiten wie Leishmaniose, Babesiose und Ehrlichiose öfters in südlichen Ländern verbreitet. Sie sollten Ihren neuen Mitbewohner nach Ankunft und erneut nach spätestens einem halben Jahr nochmals, einem Mittelmeercheck unterziehen. Dies bedeutet, dass Sie beim Tierarzt Blut abnehmen lassen, dieses wird ins Labor geschickt und Sie erhalten nach einigen Tagen den Befund. Leider sind die Krankheiten nie zu 100% diagnostizierbar.

Ein negativer Leishmanien-AK schliesst eine subklinische (sich entwickelnde) Leishmanien-Infektion nicht sicher aus. Der Nachweis von Leishmanien-Antikörpern (L.infantum) gelingt oft erst Wochen bzw. Monate p.i., wobei asymptomatisch infizierte Tiere häufig keine spezifischen oder grenzwertige Antikörpertiter aufweisen. Bei Hunden mit Auslandsanamnese empfiehlt sich daher eine Kontrolluntersuchung in regelmässigen Abständen bzw. bei Auftreten von verdächtigen klinischen Symptomen.

Leishmaniose

Leishmanien sind Protozoen, also einzellige Tierchen, die durch den Stich einer infizierten Sandmücke auf Tiere und Menschen übertragen werden können. Diese Sandmücken sind in der Schweiz eigentlich nicht heimisch, sind aber auch bei uns schon gefangen worden. Eine direkte Übertragung von Leishmanien des Hundes auf den Menschen ist theoretisch möglich. Dazu müsste ein direkter Blutaustauschen zwischen Hund und Mensch stattfinden. Je nach Leishmanien-Art gibt es unterschiedliche Krankheitsbilder, etwa der Haut oder der inneren Organe. Die in Europa vorkommenden Leishmanien übertragen die innere Leishmaniose. Das Krankheitsbild hängt stark vom Allgemeinzustand und der Immunsituation des Tieres ab. Die Symptome können von nicht vorhanden bis dramatisch variieren.

Eine unbehandelte Leishmaniose endet meist tödlich. Klinische Symptome sind verdickte Lymphknoten, besonders der Lymphknoten in der Kniekehle, unnatürlich schnelles Krallenwachstum, Haarausfall um Augen und Nase, Schleimhautblutungen, ausgefranste Ohrränder, Abmagerung, müllartiger Geruch des Hundes. Diese Symptome sind nicht sehr spezifisch. Bei einem Strassenhund wundert man sich ja nicht über den abgemagerten Körper, ungepflegte Krallen oder einen Geruch nach Müll.

Sehr oft habe ich schon die Empfehlung gehört, auf Symptome zu warten und dann ggf. zu untersuchen und zu behandeln. Eine solche Vorgehensweise ist fahrlässig! Den derzeit einzigen verlässlichen Test auf Leishmanien-Antikörper bietet die Universität Zürich an.
Es gilt immer, den Patienten zu behandeln, nicht nur die Leishmaniose. Ein Hund mit guten Allgemeinbefinden und niedrigem Titer (der so genannte Titer gibt Auskunft über die Anzahl der Antikörper gegen eine bestimmte Erkrankung im Organismus, woraus man schliessen kann, ob sich der Hund schon einmal mit dieser Erkrankung auseinandergesetzt hat) kann gut mit Substanzen unterstützt werden, die das Immunsystem stärken. Einem akut kranken Hund dagegen muss man mit Leishmanien-Hemmern und Medikamenten helfen.

Am unbehandelten Hund ist ein direkter Erregernachweis mittels Knochenmarkaspirat oder Lymphknotenpunktat möglich. Der direkte Erregernachweis bietet die beste Behandlungsmöglichkeit. Ansonsten muss nach Antikörpern gesucht, also der indirekte Erregernachweis durchgeführt werden. Wegen der langen Inkubationszeit sollte ein auf Leishmaniose negativ getesteter Hund nach einem halben Jahr erneut getestet werden, wenn Symptome auftreten, natürlich schon früher. Die Höhe des Antikörper-Titers hinkt der Krankheit hinterher. Umgekehrt braucht der Körper auch in den seltenen Fällen, in denen er mit speziell auf den identifizierten Erreger abgestimmten Medikamenten gelingt, die Leishmanien zu eliminieren, Jahre, bis die Antikörper abgebaut sind.

Die Therapie der Leishmaniose steckt noch in den Kinderschuhen. Infizierte Hunde bekommen meist Leishmanien-Hemmer. Ihr Immunsystem muss gepflegt und überwacht werden. Regelmässige Tier-Kontrollen sowie Blutbilder, die über eventuelle Schäden durch Leishmanien, zum Beispielt Blutarmut und über mögliche Langzeit-Nebenwirkungen der Medikamente, zum Beispiel Blasensteine, Auskunft geben, begleiten den Hund. Der behandelnde Tierarzt sollte, auch wenn er nicht die Leishmaniose behandelt, über die Erkrankung des Hundes informiert werden. Ein Hund, dessen Immunsystem mit chronischen Erkrankungen belastet ist, kann bei Impfungen oder Operationen ein Risikopatient sein.

Mehr Informationen finden Sie unter: http://www.parasitosen.de


Babesiose

Die Babesiose wird, wie die Ehrlichiose auch, von Zecken übertragen. Es handelt sich aber, wie die Leishmaniose, um eine Protozoenkrankheit. Sie wird in der Humanmedizin auch die "kleine Schwester der Malaria" genannte, in der Tiermedizin nannte man sie früher "Texas-cattle-fever", also immer eine fiebrige Erkrankung. Sie kommt weltweit vor, in Europa aber besonders in Frankreich und Spanien, sowie in Ungarn. Dabei ist das Erregerspektrum breit, d. h. mehrere Arten von Babesien führen bei Übertragung zu Krankheiten. Babesia divergens infiziert Tiere und Menschen gleichermassen, aber immer über Zecken. Babesien können auch von mehreren Zeckenarten übertragen werden. Der Nachweis von Babesien ist schwierig. In von Hand gefärbten Blutausstrichen sind die Babesien in den befallenen Erythrozyten sichtbar. Diese Arbeit kann nicht von der maschinellen Blutprobenauswertung übernommen werden. Bei geringer Erregerdichte werden Babesien auch angezüchtet, weil man sie sonst übersieht. Darüber hinaus werden auch serologische Verfahren angeboten, das heisst man sucht im Blutserum nach Antikörpern, führt also den indirekten Erregernachweis durch.

Auch bei der Babesiose steckt die Therapie in den Kinderschuhen. Manchmal sind sogar Bluttransfusionen nötig. Aber auch ein klinisch geheilter Patient trägt die Erreger noch monate- oder jahrelang in sich. Bei Babesiose kommt es auf die rechtzeitige Behandlung an. In späteren Stadien ist die Krankheit nicht mehr in den Griff zu bekommen. Die Babesiose rangiert häufig unter den "Mittelmeerkrankheiten", ist aber auch in Ungarn unter den Hunden verbreitet. Neuerdings gibt es aber auch schon Infektionen mit Babesiose bei Hunden in den Niederlanden und in Deutschland.

Ehrlichiose

Die Ehrlichiose ist eine bakterielle Erkrankung die schwerpunktmässig im Mittelmeerraum vorkommt, aber auch in tropischen und subtropischen Gebieten. Füchse, Hunde, Nager und Schakale können diese Bakterien in sich tragen, die Übertragung erfolgt aber durch den Biss einer Zecke, die sich zuvor beim Saugen an einem infizierten Tier selbst infiziert hat. Infizierte Zecken können eingeschleppt und sehr lange überlebensfähig und infektiös bleiben. Die Ehrlichiose ist für den Hund sehr gefährlich. Da die ersten Krankheitssymptome sehr unspezifisch sind, kann nicht von diesen auf Ehrlichiose geschlossen werden. Wenn der Körper es nicht schafft, die Ehrlichien auszuscheiden, kommt es zum chronischen Verlauf, der mit Abmagerung, Müdigkeit, Milz- und Lymphknotenschwellungen, Wasser in den Beinen, Haut- und Nasenblutungen noch die milde Verlaufsform darstellt. Beim schweren Verlauf kommen noch Abwehrprozesse gegen eigene Körperstrukturen (Autoimmunprozesse) dazu. Manche Patienten haben Muskelschwäche und -schwund und Gelenkschmerzen. Bestimmte Stämme der Ehrlichien können auch Epilepsie, Gehirnhautentzündung, Bewegungsstörungen und Erblindung verursachen.

Ein aus dem Süden stammender Hund ist unbedingt auf Ehrlichiose zu untersuchen, auch wenn (noch) keine Symptomatik da ist, denn eine für Ehrlichiose typische Symptomatik bedeutet schon eine chronische Verlaufsform. Nur im Frühstadium ist diese Krankheit gut behandelbar. Ein direkter Erregernachweis ist nur in der ersten Krankheitsphasen, also in der symptomfreien Zeit möglich, bevor die Erreger mit den Blutzellen in die Organe einwandern. Man färbt dazu einen Blutausstrich ein und kann so auch den Erreger differenzieren,  das heisst feststellen, um welche Ehrlichien-Art es sich handelt.

Etwa 14 Tage nach der Infektion mit Ehrlichien sind im Blut Antikörper nachweisbar. Diese Antikörper sind ein indirekter Erregernachweis und nicht zur Bestimmung der Ehrlichien-Art geeignet, die Rückschlüsse auf den zu erwartenden Krankheitsverlauf und die Heilprognose zulassen würde. Auch Menschen können sich mit Ehrlichiose anstecken. Aber auch hier erfolgt die Übertragung nur durch den Zwischenwirt Zecke. Eine Übertragung von Hund zu Mensch spielt keine Rolle.

Informative Broschüre zur Ehrlichiose zum herunterladen >


Parvovirose

Die Parvovirose, hervorgerufen durch das canine Parvovirus (CPV) ist eine der gefährlichsten Infektionskrankheit für den Hund. Sie befällt vor allem das Immunsystem und die Darmschleimhaut. Drei bis zehn Tage nach der Ansteckung, die über Nase und Maul erfolgt, bekommt der Hund Fieber, wird matt und appetitlos. Kurz darauf folgen die typischen Symptome Erbrechen und übelriechender, zunehmend blutiger Durchfall. Wird das Tier jetzt nicht sofort behandelt, kann es innerhalb von wenigen Tagen sterben.

Die intensivmedizinische Therapie sollte, falls möglich stationär in einer Tierklinik erfolgen. Das Ziel ist, das Tier in seiner Konstitution und Kondition so lange stabil zu halten, bis die eigene Abwehr wieder greift. Da man gegen das Virus selbst wenig unternehmen kann, besteht die Behandlung hauptsächlich aus Dauerinfusionen, um den Flüssigkeitshaushalt zu stabilisieren. Dazu kommen starke Antibiotika gegen Sekundärinfektionen und virenspezifische Massnahmen wie die Gabe von Interferon und Hyperimmunseren.

Gut zu wissen: Welpen sind durch Muttermilch geschützt

Wichtig ist in jedem Fall, dass die Mutterhündin durchgeimpft ist, dann sind die Welpen in den ersten Lebenswochen durch die maternalen (mütterlichen) Antikörper geschützt. Diese nehmen sie in den ersten zwei Lebenstagen mit der Biestmilch der Hündin auf. Die mütterlichen Antikörper bauen sich aber in ihrer Zahl in den ersten Lebenswochen ab, und da der Welpe noch keine eigenen Antikörper produziert, wird der Schutz immer geringer und das Ansteckungsrisiko höher.

Die immunologische Lücke

Besonders infektionsgefährdet sind Welpen - abhängig von der Anzahl der mütterlichen Antikörper - zwischen ca. der vierten/fünften und zehnten/zwölften Lebenswoche. Die Hundebabys in dieser Zeit zu impfen, war bis vor kurzem wenig sinnvoll (ausser das Muttertier hatte keine Impfdeckung). Denn die Reste der mütterlichen Antikörper betrachten das Impfvirus als Infektion und inaktivieren es. Für den Schutz gegen eine tatsächliche Infektion reichen sie aber auch nicht aus. Diese Phase bezeichnet man als "immunologische Lücke".

Ein weiteres Problem hat man in der Mehrhundehaltung, wenn eines der Tiere erkrankt. Dann sollte der Immunschutz beim noch gesunden Bestand noch einmal aufgefrischt werden. Tragende Tiere mit den bisherigen Lebendimpfstoffen zu impfen ist riskant, weil die Impfviren über die Plazenta des Muttertieres die Föten infizieren oder sie sogar schädigen können.

Daher gingen die Forschungs- und Entwicklungsbemühungen der Impfstoffhersteller seit langem dahin, Vakzine herzustellen, mit denen diese kritische Phase auf einen minimalen Zeitraum verkürzt werden kann. Von Vorteil war, dass das Parvovirus CPV Typ 2 mit der Zeit kleinere Mutationen bildete: die Antigene CPV 2a und seit einigen Jahren zunehmend auch CPV 2b.

Die Veränderungen sind nur sehr gering. Sie sorgen aber dennoch dafür, dass der neue Impfstoff "Virbagen Puppy 2b" auf der Basis des Typs 2b von den mütterlichen Antikörpern im Welpenorganismus (dessen Mutter üblicherweise gegen Typ 2 geimpft wurde) nicht inaktiviert wird. Trotzdem bewirkt das Impfvirus eine sog. "Kreuzimmunität", die den Welpen auch gegen die anderen Virenstämme schützt.

Auch bei tragenden Hündinnen kann der neuartige Impfstoff eingesetzt werden, wie eine Sicherheitsstudie ergab: Die Impfung hatte keinen Einfluss auf den Verlauf der Trächtigkeit, Geburt oder Wurfgrösse und die gesunden Welpen entwickelten sich normal.

Wann soll man impfen?

Acht bis zehn Tage braucht ein gesunder Körper mindestens, um erste Antikörper zu bilden. Bis zum vollen Immunschutz muss sich das Immunsystem vier bis sechs Wochen mit der zweiten Impfung auseinander gesetzt haben. Die Welpen sind dann also bereits 16 Wochen alt.

Da aber die mütterlichen Antikörper oft schon nach wenigen Lebenswochen unter den noch schützenden Grenzwert (Grenztiter) rutschen, sollten die Welpen schon in der fünften Woche das erste Mal mit dem neuen CPV 2b-Impfstoff "Virbagen Puppy 2b"geimpft werden, um die Risikophase für Parvovirose so kurz wie möglich zu gestalten.

Ab der 8./9. Lebenswoche können dann in der gewohnten Weise die regulären Impfungen durchgeführt werden.

Ansteckungswege

Der Kot infizierter Hunde dient als Hauptansteckungsquelle. Der Krankheitserreger ist im Boden viele Monate lebensfähig. Er kann durch Desinfektion nur schwer abgetötet werden. Dadurch kommt ausser der direkten Krankheitsübertragung von Hund zu Hund über den augeschiedenen Kot der indirekten Ansteckung, z. B. über Schuhe, eine grosse Bedeutung zu. Das Virus wird über den Fang aufgenommen und verbreitet sich im ganzen Körper.

Seit 1980 ist die Parvovirose in Hundepopulation verbreitet. Erkrankungsherde flackern immer wieder auf, vor allem in Zuchtzwingern und Hundehaltungen mit hoher Tierkonzentration. Betroffen sind vorallem Welpen und Junghunde im Alter von 6 Wochen bis 6 Monaten. Einige Rassen sind besonders gefährdet: Rottweiler, Deutsche Schäferhunde, Labradore und Dobermänner erkranken sehr stark und brauchen am längsten zur Genesung, falls sie die Infektion überhaupt überstehen.


Kokzidien


Kokzidien (Coccidia) sind eine Ordnung der Sporentierchen, einer Klasse der Protozoen, die in der Regel intrazellulär parasitisch in höheren Tieren leben. Die Kokzidien befallen vorwiegend den Magen-Darm-Trakt und bewirken je nach Befallsstärke Durchfall. Die Erkrankungen durch Kokzidien nennt man Kokzidiosen. Sie kommen bei Haustieren wie Hund, Katze und Kaninchen, aber auch bei Wiederkäuern, Geflügel und Fischen vor. Als Therapie werden sog. Kokzidiostatika verabreicht. Die Krankheit kann nach erfolgreicher Behandlung rasch abheilen. In besonderen Fällen, z. B. bei Jungtieren, kann sie aber, falls nicht behandelt wird, auch tödlich enden.

Die Oocysten sind sehr widerstandsfähig und können im ungünstigen Fall bis zu 10 Jahren überleben! Gut zu wissen: Kokzidien vertragen keine Hitze. Bei 60 Grad sterben sie innerhalb weniger Sekunden ab! Ausläufe immer mit einem Heissdampfstrahler reinigen. Kontakt von anderen Tieren mit infiziertem Kot unbedingt vermeiden. Auch im Boden haben Kokzidien eine gute Überlebenschance und bleiben ansteckend. Die Hauptinfektionsquelle ist meist der mit Kokzidien verseuchte Boden. Kontaminierte Bereiche immer mit medizinischem Desinfektionsmittel oder dafür entwickelten Reinigungsmitteln behandeln um eine Verschleppung zu vermeiden.

Div. Hautpilzerkrankungen


Die Behandlung von Pilzerkrankungen ist mit der richtigen Medikation problemlos, die Problematik liegt in der Erkennung / Diagnose. Pilzerkrankungen werden mit Antimykotika behandelt. Da wird aber je nach Erkrankung (Hefepilze oder Erkrankung der Schleimhaut) unterschieden. Wenn fälschlicherweise Milben diagnostiziert werden, wird sich durch die Behandlung gegen Milben das Krankheitsbild nicht verbessern. Es ist bei Verdacht immer ratsam, bei seinem Tierarzt eine Kultur anlegen zu lassen um den genauen Pilz bestimmen und gezielt behandeln zu können. Bsp. Ringwurm. Bei Hautpilzen ist immer auch eine Ansteckung des Menschen möglich.

Sticker-Sarkom (TVT - transmissible veneral tumor)

Das Sticker-Sarkom ist ein infektiöser Tumor der äusseren Geschlechtsorgane der Hunde. Die Krankheit kommt weltweit vor und findet sich häufig bei streunenden Hunden. Der Tumor kann sich horizontal auf andere Hunde, aber auch auf Caniden (Füchse, Schakale, etc.) übertragen. Man vermutet, dass sich der ursprüngliche Tumor schon in der frühen Domestikationsphase des Hundes entwickelt hat und seither immer weiter übertragen wird.

Hunde stecken sich in erster Linie durch den Geschlechtsakt und durch das Beschnuppern an. Streunende, unkastrierte Hunde sind hauptsächlich für die Verbreitung des Tumors ausschlaggebend. Dem Infektionsweg entsprechend, befindet sich der Tumor meist an den externen Geschlechtsorganen sowie in der Nasen- und Maulhöhle. Eine Metastasierung wird lediglich in 5-15% der Fälle gefunden und erfolgt vorwiegend über die Lymphknoten.

Erste Anzeichen für ein intranasales Sticker-Sarkom können Nasenbluten und Niesen sein. Unbehandelt kommt es oft zu einer grossen Schwellung an Nasenrücken und in der Maulhöhle, bis zu Durchbrüchen des Gaumens. Auch blumenkohlartige, glasig-rosa Wucherungen an den Geschlechtsteilen sind Hinweise auf eine Erkrankung. Oftmals zeigen die betroffenen Tiere deutliche Anzeichen von Harnwegsobstruktion und Überlaufinkontinenz, manchmal kommt es sogar zu einem Penisprolaps. Immer wieder wurden bei TVT auch Spontanheilungen beobachtet, eine Behandlung ist jedoch nach gestellter Diagnose unumgänglich.

Als Behandlungsmethode wird Vincristin angewendet womit ein Grossteil der Patienten - vorallem bei Früherkennung - erfolgreich behandelt werden können. Bei Resistenz gegenüber Vincristin kann Doxurubicin versucht werden. Kastrationsaktionen von streunenden Hunden sind langfristig die einzige, wirksame Prävention um weitere Tiere vor der Erkrankung zu schützen.